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Ausnahmsweise geschlossen 29. Mai 2022

Von den Felsen bis zum spiegelnden Wasser der Maas, zwischen den Hainbuchenhecken und den Orangenbäumen, von den Fontänen bis zu den Wasserbassins bewohnt eine gewisse Spiritualität gemischt mit dem Geist der Aufklärung die Gärten von Freÿr. Ihre Schönheiten sind vielfältig.

DER UNTERE GARTEN: BESCHAULICHE BETRACHTUNG

Der Stiftspropst Guillaume de Beaufort-Spontin überwachte die Anlage des unteren Gartens – die barocke „Terrasse“ mit ihrer Aufeinanderfolge von Wasserbassins, Rasen-Broderien, miteinander verflochtenen Linden, der Anordnung der Orangenbäumchen rund um die Parterres (früher bildeten Sie eine Gruppe vor den Orangerien), Perspektiven, die zu den Orangerien hinführen. Guillaume ist ein Mann der Religion, was sich in diesem Teil des Gartens widerspiegelt, der zur beschaulichen Betrachtung einlädt.

ORANGENBÄUME UND ORANGERIEN

Unter dem Datum 11. Oktober 1710 wird in den Rechnungsbüchern der Seigneurerie von Freÿr die Zahlung von 12 Sols an den Bedienten Raymond dafür verzeichnet, „dass er auf Anordnung des Herrn Baron von Freyr die Orangenbäume in den Garten getragen hat“. Es handelt sich um die erste Erwähnung der Orangenbäume der Domäne. Es heißt, dass einige dieser Bäume, die mehrere hundert Jahre alt sind, vom Hof von Lothringen in Lunéville stammen, aber diese Herkunft muss noch bestätigt werden.

Sie verbringen die Sommersaison im Freien, werden aber in den kalten Herbst- und Wintermonaten in die Orangerien gebracht. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Beheizung der Orangerien dank eines heroischen Aktes sichergestellt: Louise de Laubespin, die über 80 Jahre alt war, verwendete dafür die ihr zustehende Kohleration.

Die Orangenblüten dienten früher für die Herstellung von Tee, später für Bonbons.

Die Orangenbäume von Freÿr sind die ältesten Orangenbäume Europas in Pflanzkübeln, während die Orangerien die ältesten Orangerien der alten Niederlande sind.

DER OBERE GARTEN: GEOMETRIE

Der obere Garten, der ein kleines Wunder der Geometrie ist, wird Philippe-Alexandre zugeschrieben, der Freimaurer und ein Bewunderer der Aufklärung war. Zwischen Labyrinthen aus Hainbuchenhecken eröffnen sich drei senkrecht zur Maas verlaufende Achsen. Es wird eine Verbindung zwischen dem Parterre und dem neuen, oberen Garten geschaffen, die 1775 durch einen eleganten Rokoko-Pavillon gekrönt wird. Dieser Teil ist stärker vom Louis-XV-Stil geprägt.

FRÉDÉRIC-SAAL

Der Gartenpavillon trägt als Hommage an Frédéric-Auguste-Alexandre, den Erben der Domäne, den Namen Frédéric-Saal (die Bezeichnung „Saal“ wurde aus dem Deutschen übernommen). Dieses kleine Schmuckstück, das der auf der Durchreise befindliche Victor Hugo nicht wirklich nach seinem Geschmack fand – er bezeichnete es als „manieriertes Sahnetörtchen“ – ist das Werk lokaler Handwerker und der Stuckateure Moretti, wie die Inschrift „Moretti fecit“ in einem Medaillon mit trunkene Putten im zentralen Saal des Pavillons bezeugt.

Vom Pavillon aus öffnet sich eine majestätische Sichtachse bis hinab zum Fluss. Für die Konzeption und Umsetzung dieser Achse, die zur Maas hin offen ist und am Frédéric-Saal endet, hat Philippe-Alexandre den Pariser Architekten Galimard zu Rate gezogen.

Doppelgesichtige Büsten

Einigen Autoren zufolge sind diese doppelgesichtigen Büsten die „Seele der Gärten“. Sie werden dem lothringischen Bildhauer Paul-Louis Cyfflé (1724-1805) zugeschrieben, Plastiker, Ziseleur und Zeichner des Königs Stanislaus I. Leszczynski, Herzog von Lothringen, dessen Paläste und Gärten er verschönerte.

Die doppelgesichtigen Büsten von Freÿr sind die einzigen in Belgien bekannten Beispiele für derartige Plastiken. Sie bestehen aus Terrakotta und sind mit Hilfe von Formen im neoklassizistischen Stil erstellt. Abgebildet sind römische Kaiser und Kaiser des Heiligen Römischen Reichs, Reiter und elegante Damen.

Um die Büsten vor Diebstahl zu schützen, wurden Sie aus dem Garten entfernt. An ihrer Stelle lassen heute Kopien mit einer Oberfläche aus künstlichem Stein ihre Blicke über die Maas und die Hainbuchenhecken schweifen.

 

KLEINE LABYRINTHE

Die acht Hainbuchenhecken-Massive des oberen Gartens, rechts und links der vertikalen Achse, die den Blick vom Gartenpavillon auf die Maas eröffnet, sind acht Irrgärten, die zusammen ein Labyrinth bilden, in dem man sich nach Lust und Laune verlieren und wiederfinden kann.

LINDENKUPPEL UND -LAUBENGANG

Am Ende einer kleinen Treppe, am Wirtschaftsgebäude und der Scheune, stößt man auf einen Weg, der das Parterre mit dem oberen Garten verbindet. Er verläuft im Schatten eines Laubengangs. Er ist aus fächerförmig gebogenen Linden geformt, die ein Gewölbe bilden, das die Hainbuchenspaliere krönt. In der Mitte des Weges befindet sich eine Kuppel. Geformt wurde sie dank der geduldigen Arbeit der Gärtner zur Zähmung der Struktur aus Ästen und Zweigen – ein echtes Meisterwerk der Gartenkunst.

DAS HYDRAULISCHE SYSTEM

Das Wasser stammt aus der Rochettes-Quelle in der Grotte des Moines (Mönchsgrotte) im Norden der Gärten. Es handelt sich um eine Karstquelle, deren Wasser von den benachbarten Hängen kommend bereits rund 1500 m zurückgelegt hat. Ab der Grotte läuft das Wasser dank eines millimetergenauen Gefälles in einer unterirdischen Wasserleitung noch einmal über einen Kilometer weiter und versorgt unterwegs Seitenkanäle, die zu Absetzkammern führen. Von dort setzt das Wasser seinen Weg zu den zehn Becken und Springbrunnen fort, bevor es in die Maas fließt.

AUSSERHALB DER MAUERN

In Freÿr bildet die Natur – die Maas, die Felsen, die Grotten und die Wälder … – einen „erhabenen“ (entsprechend einem der philosophischen Konzepte des 18. Jahrhunderts) oder auch „pittoresken“ Rahmen für die voller Raffinement gestalteten Gärten. Paradoxerweise ist es dieser starke Kontrast, der Freÿr zu einem Ganzen macht, das die beiden Ufer des Flusses mit umfasst und die Maas in die Gärten einbindet.

Den schönsten Blick auf die Natur rund um Schloss und Park hat man vom Gartenpavillon Frédéric-Saal: Sie ist gezähmt und gezügelt in Richtung Norden, wo der Blick nach den Parterres auf dem blinkenden Wasserspiegel der Maas ankommt, und ursprünglich wild in Richtung Süden, wo der Blick an die Felsen stößt, die sich gegenüber dem Schloss in die Höhe recken.

Vom obersten Rand der Felsen am gegenüberliegenden Ufer wiederum eröffnet sich ein überwältigender Blick auf die Domäne und besonders die Gärten. Von hier erscheint das Schloss, am äußersten linken Ende der Gärten gelegen, wie ein Detail. Die formalen Hainbuchenhecken, die geheimnisvoll und voller überraschender Wendungen erscheinen, wenn man dazwischen spazieren.